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GERICHTSURTEIL

Urteil + laufend · EU/UK Palantir in Europa — Ein Verfassungsgericht, ein Parlament und die Frage der Souveränität

Während Palantir in den USA Überwachungsinfrastruktur für ICE und das Pentagon baut, expandiert das Unternehmen seit der Pandemie aggressiv nach Europa — und stößt dort auf den härtesten Widerstand, den es bislang erfahren hat. Die höchste Beweisstufe dieses Eintrags kommt aus Deutschland: Im Februar 2023 urteilte das Bundesverfassungsgericht [Urteil], dass der Einsatz von Palantirs automatisierter Datenanalyse durch die Polizei in der damals geprüften Form verfassungswidrig sei, weil er das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletze; das Gericht erklärte die Hamburger Rechtsgrundlage für nichtig und gab Hessen eine Frist zur Nachbesserung. Trotz des Urteils brachte die Bundesregierung unter Friedrich Merz Berichten zufolge 2025 eine bundesweite Palantir-Beschaffung im Rahmen des Programms "Polizei 20/20" erneut auf den Tisch — die Software ist weiterhin bei der Polizei mehrerer Länder im Einsatz (u.a. Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen).

Im Vereinigten Königreich verläuft die Auseinandersetzung über die öffentliche Beschaffung. Eine Untersuchung von The Nerve (Januar 2026) zählte mindestens 34 staatliche Verträge über mindestens zehn Ministerien und Behörden hinweg, zusammen mindestens 670 Millionen Pfund wert — darunter ein NHS-Vertrag über 330 Millionen Pfund (2023) für die "Federated Data Platform", die sensible Gesundheitsdaten von Patienten auf einer von Palantir betriebenen Plattform zusammenführt. Im Dezember 2025 vergab das Verteidigungsministerium einen Auftrag über 240 Millionen Pfund ohne wettbewerbliche Ausschreibung. Am 3. Juni 2026 forderte ein fraktionsübergreifender Ausschuss des Unterhauses die Regierung auf, den NHS-Vertrag zu beenden, weil das Unternehmen "höchst umstrittene" Politik und Aktivitäten unterstütze; die British Medical Association (über 200.000 Ärzte) rief ihre Mitglieder auf, eine Nutzung über die direkte Behandlung hinaus zu verweigern. Recherchen von Liberty Investigates und Corporate Watch dokumentierten, dass Polizeibehörden angewiesen wurden, auf Anfragen zu Palantir-Software für verdeckte Zwecke mit "weder bestätigen noch dementieren" zu antworten — trotz eines Versprechens "maximaler Transparenz" beim KI-Einsatz.

Der Widerstand wirkt: Im Mai 2026 blockierte Londons Bürgermeister Sadiq Khan einen 50-Millionen-Pfund-Deal der Metropolitan Police und verwies auf die "Werte" des Unternehmens. Die Schweiz lehnte Palantir nach siebenjährigem Lobbying ab — ein interner Bericht der Schweizer Armee äußerte die Sorge, Palantir könne vertrauliche Daten an CIA und NSA weitergeben (was Palantir bestreitet und den Bericht als unzutreffend bezeichnet). Hinweis zur Einstufung: Das deutsche Verfassungsgerichtsurteil ist ein gerichtlich festgestelltes Faktum [adjudicated]; das Übrige — die Vergabekritik, die Datenschutzsorgen, die Ablehnungen — ist dokumentierte, laufende Auseinandersetzung, kein Schuldspruch gegen das Unternehmen. Der rote Faden: Dieselbe Architektur, die in den USA Abschiebungen und Kriegsführung unterstützt, wird in Europa an Gesundheitssysteme, Polizei und Militär verkauft — und Gerichte, Parlamente und Kommunen beginnen, sie zu stoppen.

Quellen zuletzt geprüft: 2026-06-11
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